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Latein Schnupperkurs

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Ein weiteres Tier kommt nun ins Spiel: ardea.
Unsere Geschichte lautet jetzt:

Dominae salutant. Ambulant. Ranam vident et ardeam vident. Sed ardea ranam non videt.

Sie ist um einige kleine Wörter erweitert worden, die Sie sicher mühelos verstehen können:

Die Herrinnen grüßen. Sie gehen spazieren. Sie sehen einen Frosch und sie sehen einen Reiher. Aber der Reiher sieht den Frosch nicht.

Nehmen wir an, die Damen seien nicht besonders froschfreundlich oder hätten Mitleid mit dem schwachsichtigen Reiher. Was könnten sie tun? Z. B. dies:

Dominae ardeae ranam monstrant.


ReiherDa Sie inzwischen schon eine Menge Übung im Übersetzen haben, werden Sie zunächst nach dem wichtigsten Satzglied, dem Prädikat, schauen: monstrant. Wieder sagt uns die Endung, dass es sich um die 3. Person Plural handelt. Und wieder können Sie die Bedeutung des Wortes erschließen, denn wenn Sie auf eine Demonstration gehen, dann zeigen Sie, dass Ihnen etwas (nicht) gefällt.

Wir übersetzen also monstrant mit "(sie) zeigen". Dieses Prädikat erfordert wiederum ein Akkusativobjekt, denn man will ja wissen, wen oder was sie zeigen: ranam, den Frosch.

Unsere nächste Frage lautet: Wem zeigen sie den Frosch - und vielleicht auch: Wer sind "sie" überhaupt? Es fehlt uns also noch ein Dativobjekt und eventuell ein Subjekt.

Schauen wir uns die Wörter an, die noch nicht übersetzt sind: dominae und ardeae - beide gehören zur a-Deklination und beide, o Schreck, haben die gleiche Endung! Tatsächlich enden in der a-Deklination sowohl der Nominativ Plural als auch der Dativ Singular auf -ae. Die Formen sind also, wenn sie isoliert stehen, nicht eindeutig: Dominae kann "die Herrinnen" oder "der Herrin" heißen. Auch unser Satz kann, für sich genommen, zweierlei bedeuten:

Dominae ardeae ranam monstrant.

  1. Die Herrinnen zeigen dem Reiher den Frosch.
  2. Der Herrin zeigen die Reiher den Frosch.

Da wir aber den Zusammenhang der Geschichte kennen, können wir uns ohne Zögern für die Lösung Nr. 1 entscheiden. Die zweite Übersetzung wäre zwar grammatisch ebenfalls in Ordnung, inhaltlich aber vollkommen unsinnig. Man muss also immer auf den Kontext, also das, was vor oder auch hinter dem zu übersetzenden Satz steht, achten. Inzwischen ist unsere Geschichte schon so lang, dass Sie aus dem vorangehenden Kontext und Ihren Biologiekenntnissen sicher schließen können, wie es weitergeht:

Ardea ranam videt et cenat. Der Reiher sieht den Frosch und frisst ihn.

Allerdings ist der Reiher nicht besonders wohlerzogen:

Sed dominis gratias non agit.

Die Wörtchen "sed" (aber) und "non" (nicht) kennen Sie bereits. Sie können sich also wieder sofort auf das Prädikat "agit" konzentrieren. Es endet nicht mit -nt, sondern nur mit -t. Also handelt es sich um eine Form in der 3. Person Singular (er, sie, es...). Wenn jemand agiert, dann treibt oder tut er etwas. Wen oder was treibt er/sie/es? "Gratias". Aus Ihren Spanienurlauben wissen Sie, was das bedeutet. Nun kann man aber die Rohfassung "gratias agit" = "er/sie/es treibt Danke" unmöglich in einer Übersetzung stehen lassen. Machen wir daraus "er/sie/es dankt" und bauen es in unseren Satz ein:

Aber er/sie/es dankt... nicht.

Wer hätte Anlass, sich zu bedanken? Natürlich der Reiher mit den schlechten Augen, dem die Damen soeben zu einer Mahlzeit verholfen haben. Wir können also die Pronomina "sie" und "es" bei unserer Übersetzung nicht verwenden.

Natürlich haben Sie den Satz längst verstanden, trotzdem fragen wir der Vollständigkeit halber noch: Wem dankt er, nämlich der Reiher, nicht? - Dominis, den Herrinnen. Und somit kennen Sie zwei weitere Formen aus der a-Deklination.

a-DeklinationSingular (Einzahl)Plural (Mehrzahl)
Nominativ (Werfall) -a -ae
Dativ (Wemfall) -ae -is
Akkusativ (Wenfall) -am -as

Aus dem Deutschen wissen Sie, dass es noch mehr Fälle gibt - zum Beispiel den Genitiv.

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