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Latein Schnupperkurs

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Sie entsinnen sich noch? Soeben hat ein Frosch sein Leben gelassen, und zwar im Schnabel eines kurzsichtigen Reihers. Der bedankt sich zwar nicht, dennoch kann man annehmen:

Laetitia ardeae magna est.

Laetitia bedeutet "Freude, Fröhlichkeit". Aber gehen wir wieder systematisch vor: Das Prädikat sieht diesmal ungewöhnlich kurz aus. Wieder entdecken Sie das -t als Signal für die 3. Person Singular. Die Bedeutung des Wortes "est" können Sie aus dem Deutschen ebenso gut wie aus dem Französischen herleiten: Er/sie/es ist.

Nanu? Kann das das ganze Prädikat sein? Natürlich nicht! "Sein" ist nur ein Hilfsverb - irgendwo muss stehen, wie oder was er/sie/es ist. Sinnvollerweise sollte man möglichst in der Nähe des Hilfsverbs suchen und stößt auf das Wort "magna". Die Endung gibt uns folgende Auskünfte: Nominativ Singular femininum. Den Anfang des Wortes kennen Sie sicher von einer Eissorte, deren Hersteller schon durch den Namen des Produktes signalisieren möchte, dass die Portion oder auch der Genuss groß ist.

...magna est heißt also: (Sie) ist eine große.

Wer aber ist "sie"? Das Subjekt muss mit magna kongruent sein, also im Nominativ Singular femininum stehen. Da kommt nur laetitia in Frage:

Die Freude ist eine große.

Nun ist noch das Wort "ardeae" übrig. Ihren bisherigen Kenntnissen nach handelt es sich dabei entweder um einen Nominativ Plural oder einen Dativ Singular. Beides können wir aber in diesem Satz nicht unterbringen. Außerdem stellt sich noch die Frage: Wessen Freude ist eine große? Natürlich die des satten Reihers, und wir stellen fest, dass die Endung -ae auch noch im Genitiv Singular der a-Deklination vorkommt. Unser Satz heißt nun:

Die Freude des Reihers ist eine große.

Er klingt aber immer noch nicht richtig! Auch im Deutschen kann ein Prädikat aus zwei Wörtern bestehen - z. B. "groß sein, klein sein, klug sein" -, aber die Ergänzungen zum Hilfsverb "sein" verändern sich im Deutschen nicht.

Der Hund (maskulinum) ist groß.
Die Katze (femininum) ist groß.
Das Pferd (neutrum) ist groß.

Im Lateinischen dagegen müssen diese Ergänzungen mit dem Subjekt kongruent sein, z. B.:

Leatitia magna est. Die Freude ist groß.
Elephantus magnus est. Der Elefant ist groß.

Die Ergänzung zum Prädikat ist im Lateinischen also in die Deklinationsklassen einzuordnen. Alles, was man deklinieren kann, wird unter dem Oberbegriff "Nomen" zusammengefasst, und da das Nomen "magnus/magna" in unseren Beispielsätzen Teil des Prädikats ist, nennt man es Prädikatsnomen.

Aber zurück zu unserer Geschichte und zum Genitiv! Da die Damen ja offenbar auf der Seite des Reihers stehen, ist vermutlich ihre Freude über den Tod des Frosches ebenfalls groß. Dann lautet der Satz:

Laetitia dominarum magna est.

Und unsere Tabelle ist um eine Zeile reicher.

a-DeklinationSingular (Einzahl)Plural (Mehrzahl)
Nominativ (Werfall) -a -ae
Genitiv (Wessenfall) -ae -arum
Dativ (Wemfall) -ae -is
Akkusativ (Wenfall) -am -as

Alle bisherigen Fälle kennen Sie auch aus dem Deutschen. Eine Besonderheit des Lateinischen ist der Ablativ.

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